Empfehlungen für Kreditnehmer – Teil 3: Variabler oder fixer Zinssatz

Artikel vom 13.08.2013, veröffentlicht in Kategorie Finanzierungen

In den letzten Jahren sind Kreditnehmer und solche die es noch werden möchten, hinsichtlich der Zinskosten für Finanzierungen besonders verwöhnt worden. Verantwortlich dafür ist das historisch niedrige Zinsniveau, welches uns nun schon seit Ende 2008 begleitet. Betrachtet man das Thema “Variabler oder Fixer Kreditzinssatz” mit etwas Abstand, dann wäre es logisch, wenn gerade in Phasen tiefer Zinssätze für langfristige Finanzierungen eher fixe Zinsvereinbarungen getroffen werden würden. Aber genau das ist in der Praxis derzeit nicht der Fall!

Prozyklisches Verhalten von Kreditnehmern
Verantwortlich für das in den meisten Fällen nachteilige “prozyklische” Verhalten sind die Kreditinstitute. Das liegt daran, dass für Banken in erster Linie der eigene Vorteil wichtig ist, weshalb diese in Niedrigzinsphasen nur sehr ungern langfristige Fixzinsvereinbarungen anbieten. Die Folge sind vorwiegend Kreditverträge mit sog. Zinsanpassungsklauseln, welche Zinsen automatisch erhöhen, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt (selbstverständlich könnten Zinsen auch sinken, was aber beim aktuellen Leitzinssatz praktisch nicht mehr möglich ist).
Mit dieser Darstellung soll dem Fixzinssatz in der augenblicklichen Marktlage nicht generell der Vorzug gegeben werden, sondern nur gezeigt werden, wie das Verhalten der Mehrheit der Marktteilnehmer ist.

Variabler Zinssatz – Pro und Kontra
Bei Krediten mit varibler Verzinsung wird der Zinssatz je nach Veränderung des vereinbarten Indikators (z.B. Euribor, Sekundärmarktrendite, etc. ) laufend angepasst.

Vorteile:

  1. Zu Beginn ist die Kreditrate geringer als bei einem vergleichbaren Fixzinskredit.
  2. Privatkunden (Konsumenten) können ohne Pönalen (“Strafzahlung” an die Bank) vorzeitige Kreditrückzahlungen vornehmen
  3. Variable Kredite können jederzeit auf Fixzinskredite umgestellt werden (von der jeweiligen Bank abhängig)

Nachteile:

  1. Steigende Marktzinsen führen auch zum Anstieg der Kreditrate
  2. Die Rate erscheint bei Kalkulation mit dem aktuell geringen Zinssatz sehr niedrig – kann aber bis auf das Doppelte steigen
  3. Spätere Umstiege auf Fixzinskredite erfolgen zu schlechteren Konditionen (meist eben erst dann, wenn der Zinssatz bereits gestiegen ist)

 

Fixer Zinssatz – Pro und Kontra
Bei Fixzins-Krediten wird der Zinssatz über eine bestimmte Laufzeit fixiert und daher auch bei steigenden Marktzinsen nicht angepasst.

Vorteile:

  1. Während der Fixzins-Laufzeit kann der Zinssatz und somit auch die Rückzahlungsrate nicht steigen.
  2. Gute Kalkulierbarkeit, weil die Kreditrate für einen bestimmten Zeitraum unveränderlich ist
  3. Ruhiger Schlaf

Nachteile:

  1. Zu Beginn ist die Kreditrate höher als bei einem vergleichbaren variablen Kredit.
  2. Vorzeitige Rückzahlungen sind nur gegen eine im Kreditvertrag vereinbarte Pönale möglich
  3. Der Punkt 2. gilt auch bei Vertragsumstellungen auf einen variablen Kredit – hier gibt es aber viel Verhandlungsspielraum mit der finanzierenden Bank.

Resümee:
Es gibt keinen Sieger aus diesem Vergleich. Schließlich sollte jene Kreditform gewählt werden, die am besten zur Persönlichkeit des Kreditnehmers passt. Generell gilt allerdings das in der Einleitung Gesagte, denn irgendwann werden die Zinsen ganz sicher wieder steigen.

 

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