Österreichs Pensionssystem nur im europäischen Mittelfeld - Eigenvorsorge ist die logische Folge

Österreichs Pensionssystem nur im europäischen Mittelfeld – Eigenvorsorge ist die logische Folge

Artikel vom 24.06.2020, veröffentlicht in Kategorie Allgemein, Versicherungen

Ein mäßiges Zeugnis stellt der erstmals veröffentlichte Allianz Global Pension Report dem österreichischen Pensionssystem aus: unter den 70 bewerteten Ländern rangiert Österreich lediglich auf Rang 34. Skandinavien und die Benelux-Länder haben die besten Pensionssysteme in Europa. Analysiert wurden nicht nur die demographischen und fiskalischen Grundvoraussetzungen, sondern auch die Nachhaltigkeit und Angemessenheit der Pensionssysteme.

Das ist die Ausgangssituation: die geburtenstarken „Babyboomer“ treten in den nächsten Jahren verstärkt die Pension an. Damit schrumpft die Zahl der potenziellen Beitragszahler. Gleichzeitig steigt unsere Lebenserwartung.

Allerdings haben nur wenige Länder ihre Pensionssysteme auf diesen demografischen Wandel eingestellt – Österreich zählt nicht dazu, wie der aktuelle Global Pension Report der Allianz analysiert. Wie steht es also um das heimische Pensionssystem?

Diskussion um demografischen Wandel nötig

In den nächsten drei Jahrzehnten wird der Anteil der Über-65-jährigen an der Erwerbsbevölkerung in Österreich auf über 50 % steigen. Dazu Andreas Csurda von der Allianz Pensionskasse: „Unsere staatliche Pension ist sehr gut ausgebaut, die betriebliche Pension oder private Vorsorge geraten dabei vergleichsweise ins Hintertreffen“.

Es müsse bewusst sein, dass aktive Beitragszahler das jetzige Pensionssystem stützen. Das heißt, es braucht die junge Generation, um derart hohe Belastungen in der staatlichen Pension zu finanzieren. Genau das birgt aber für die Zukunft einen potenziellen Generationenkonflikt.

In Sachen Nachhaltigkeit der Pensionssysteme – also wie Systeme auf den demografischen Wandel reagieren – findet sich Österreich lediglich auf Platz 51 des Rankings.

Erhöhung des Pensionsalters – ein Tabu?

Mangelndes Bewusstsein herrscht in Europa vielerorts hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Pensionssysteme: 1950 konnte ein 65 Jahre alter Mann erwarten, bis zu seinem Tod noch etwa 12,5 Jahre im Ruhestand zu verbringen. Heute liegt diese Zahl bereits bei 17,6 Jahren, und bis zum Jahr 2050 wird sie auf 20,8 Jahre ansteigen.

Als Konsequenz daraus verschiebt sich das Verhältnis der Zeitspannen von Erwerbsleben und Ruhestand signifikant.

Länder, die das Pensionsalter oder Pensionsleistungen an die Lebenswertwartung koppeln, wie beispielsweise die Niederlande, haben daher ein nachhaltigeres Pensionssystem als solche Länder, in denen die weitere Erhöhung des Pensionsalters ein politisches Tabu darstellt.

Dramatik des bevorstehenden demografischen Wandels

Generell werde der demographische Wandel besonders Europa hart treffen, befürchten Experten. Der „Altersquotient“, der die Relation der pensionierten zur erwerbstätigen Bevölkerung misst, wird bis 2050 weltweit um 77 % steigen und damit stärker als in den sieben Jahrzehnten davor.

Vergleichsweise besser schneiden hier manche Entwicklungsländer in Afrika und Asien ab, da dort die Bevölkerung noch jünger ist und die öffentlichen Defizite und Schulden eher niedrig sind.

Auf der anderen Seite erzielen europäische Länder wie Portugal oder Italien die schlechtesten Werte: eine alte Bevölkerung – der Altersquotient klettert deutlich über 60 % – trifft hier auf hohe Schulden.

Durch die Corona-Pandemie und den dadurch ausgelösten Schulden-Tsunami erhält das Problem noch zusätzliche Dynamik.

Österreich in punkto Angemessenheit unter Top 10

Neben der Nachhaltigkeit beschäftigt sich der Report mit der Angemessenheit des Pensionssystems – also der Frage, ob das System einen angemessenen Lebensstandard im Alter sicherstellt.

Wie eine Reihe anderer Länder legt auch Österreich größeres Gewicht auf den Wohlstand der heutigen Generation, als auf jenen zukünftiger Pensionisten. Dementsprechend liegt Österreich in Sachen Angemessenheit der Pensionen auf Platz 10 weltweit.

Dies ist vor allem der großzügigen staatlichen Pension zu verdanken, denn gemessen am Durchschnittseinkommen werden mit Ausnahme Italiens nirgendwo in Europa höhere staatliche Pensionen gezahlt als hierzulande.

Bleibt als logische Folge die Eigenvorsorge

In einem erste Schritt sollte die persönliche bestehende Situation analysiert werden. Wichtig ist, bestehende Vorsorge-Verträge nicht voreilig zu beenden, sondern diese den aktuellen Lebensumständen anzupassen (beispielsweise durch Prämienpause, Anpassung der Prämie, Änderung der Anlagestrategie, …).

Bei Fragen zu dem Thema sprechen Sie mit Ihrem Berater oder schreiben Sie uns eine Mail an service@kapitalundsicherheit.com.

Abonnieren Sie unseren Newsletter...

... und erhalten Sie neue Artikel bequem per Mail

Durch Ihre Anmeldung erklären Sie sich mit der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung einverstanden